Storming: Wenn’s im Team kracht – und warum genau jetzt gute Führung zählt
- linda

- 2. Mai
- 3 Min. Lesezeit
Die Phase, die viele fürchten – und die deine wahre Leadership-Qualität sichtbar macht
Es gibt ein Wort, bei dem Führungskräfte reflexhaft die Augen verdrehen: Storming. Wer schon einmal ein Team durch diese Phase geführt hat, weiß, wie fordernd, intensiv und emotional sie sein kann. Und gleichzeitig ist sie der Moment, in dem sich entscheidet, ob aus einer Gruppe von Einzelpersonen ein echtes Team entsteht – oder lediglich eine höfliche Gruppe, die berufliches Smalltalk-Niveau niemals übersteigt.
Als systemischer Coach sehe ich immer wieder, wie entscheidend diese Phase ist: Storming ist nicht das Problem. Das Problem ist, wenn Führungskräfte nicht wissen, wie sie damit umgehen sollen. Genau hier kannst du als Leader wachsen und den entscheidenden Unterschied machen.
Storming ist die zweite Phase im Teammodell von Bruce Tuckman. Während im Forming alles noch höflich, vorsichtig und harmonisch wirkt, kommen im Storming erstmals die wahren Bedürfnisse, Unterschiede und auch Spannungen ans Licht. Menschen beginnen, Grenzen auszutesten, Verantwortlichkeiten infrage zu stellen und ihre Rolle im Team selbstbewusster einzufordern. Aus einem „Wir lernen uns kennen“ wird ein „Wir reiben uns aneinander“.
Diese Reibung ist kein Zeichen von Scheitern – im Gegenteil. Sie zeigt, dass das Team beginnt, sich ernsthaft zu orientieren. Konflikte entstehen häufig nicht, weil Menschen „schwierig“ sind, sondern weil ihnen unklar ist, wer was entscheidet, welche Erwartungen gelten oder wie Zusammenarbeit überhaupt gedacht ist. Storming ist also weniger ein Drama als vielmehr ein natürlicher und notwendiger Teil der Teamentwicklung.
Viele Führungskräfte versuchen, Storming zu vermeiden. Sie wünschen sich Harmonie, Ruhe und Effizienz, am liebsten vom ersten Tag an. Doch ein Team, das nie streitet, ist oft nicht harmonisch, sondern konfliktscheu. Die Spannungen bleiben bestehen, nur eben unter der Oberfläche – wie Glut, die jederzeit aufflammen kann.
Teams, die Storming ernst nehmen und bewusst gestalten, entwickeln langfristig mehr Klarheit, Loyalität und Teamspirit.
Teams, die die Phase überspringen wollen, bleiben dagegen häufig unklar, zäh und ineffektiv. Konflikte verschwinden nicht, nur weil man sie ignoriert. Sie verwandeln sich in Misstrauen, stille Vorwürfe oder endlose Diskussionen.
Als Führungskraft ist es daher entscheidend, diese Phase nicht als Störung, sondern als Chance zu begreifen. Storming ist der Moment, in dem du zeigen kannst, wie souverän, klar und menschlich du führst.
Die wichtigste Erkenntnis zuerst: Du musst Konflikte nicht selbst lösen. Deine Aufgabe ist es, einen Rahmen zu schaffen, in dem das Team die Konflikte selbst bearbeiten kann. Du bist nicht Feuerwehr, sondern Raumhalterin. Genau darin liegt die eigentliche Führungskraft.
Ein zentraler Hebel ist Klarheit. Viele Konflikte entstehen, weil niemand so genau weiß, wer entscheidet, wer verantwortlich ist oder welche Erwartungen gelten. Sobald diese Fragen beantwortet sind, lösen sich viele Spannungen fast von selbst. Wenn zwei Mitarbeitende über die finale Version einer Präsentation streiten, geht es oft nicht um Schriftgrößen oder Farbpaletten – sondern darum, wer überhaupt entscheiden darf.
Ebenso wichtig ist deine Haltung in Konflikten. Emotionen sind kein Zeichen von Schwäche. Sie zeigen, dass Menschen sich engagieren, dass ihnen das Ergebnis wichtig ist. Wenn du offen kommunizierst, dass Konflikte zum Entwicklungsprozess dazugehören, nimmst du dem Team enorm viel Druck. Ein Satz wie „Wir sind gerade in der Storming-Phase – das ist normal und wir gehen da gemeinsam durch“ wirkt oft wie ein Reset-Knopf.
Auch deine Rolle als Moderatorin ist entscheidend. Du führst durch Fragen, nicht durch Vorgaben. Wenn ein Konflikt entsteht, hilft es, nach konkreten Beispielen zu fragen, nach Bedürfnissen, nach Erwartungen. Du übersetzt Emotionen in Themen und machst Unsichtbares sichtbar. So entsteht Raum für Lösungen, die nicht von dir kommen müssen, sondern aus dem Team heraus entstehen.
Ein Beispiel aus meiner Tätigkeit stammt aus einem Führungsteam, das äußerlich völlig harmonisch wirkte – so harmonisch, dass es fast schon unheimlich war. Niemand wagte, offen Widerspruch zu äußern. Entscheidungen zogen sich endlos hin, weil niemand klar sagte, was er dachte. Nachdem wir eine „Klarheitsminute“ eingeführt hatten, in der ehrliche Aussagen erwünscht und geschützt waren, und zudem die rotierende Rolle des „Widerspruchgebers“ etablierten, veränderte sich die Arbeitskultur bemerkenswert schnell. Die Meetings wurden kürzer, die Entscheidungen klarer, und das Team lachte wieder gemeinsam – ein gutes Zeichen für echtes Vertrauen.
Führungskräfte, die Storming souverän begleiten, wirken klar, kompetent und authentisch. Sie sind genau die Art von Leader, die moderne Fachkräfte suchen: nicht autoritär, sondern präsent; nicht kontrollierend, sondern stärkend; nicht konfliktscheu, sondern konfliktkompetent.
Ein Team, das sich durch Storming entwickelt, wird belastbarer, mutiger und kreativer. Es traut sich mehr zu – und seiner Führungskraft auch.

Wenn du möchtest, unterstütze ich dich dabei – mit Workshops, Teamcoachings oder individueller Führungskräftebegleitung. Denn durch Storming führen heißt nicht, Konflikte zu vermeiden, sondern Potenzial freizusetzen. Und genau das ist meine Expertise.
Mein Buch "klar werden" beschäftigt sich genau mit diesen Momenten, in denen du als Führungskraft merkst, dass es jetzt um etwas geht. Mit Beispielen aus der Praxis und Erkenntnissen sowie Fragen wirst du in dein erweitertes Mindset begleitet.




Kommentare